Geiselnahme von Gladbeck

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In der Bankfiliale, in der Rösner und Degowski die Geiseln nahmen, befand sich lange Jahre eine Schlecker-Filiale, im Sommer 2016 ein Blumengeschäft. Im nachhinein wurde gemutmaßt, daß Rösner sich die Filiale der Deutschen Bank ausgesucht hatte, weil er sie oftmals vom Balkon in der vierten Etage des zum Komplex gehörenden Hochhauses gesehen hatte, denn dort wohnte seine Freundin Marion Löblich, die im weiteren Verlauf ebenfalls Teil der Geiselnahme wurde. Das Hochhaus mit seinen 267 Wohnungen ist seit 2006 nicht mehr bewohnt und sollte in der zweiten Jahreshälfte 2017 abgerissen werden.[1][2] Anfang 2022 war das Hochhaus nicht mehr vorhanden.

16.08.1988[Bearbeiten]

Berliner Str. 14, 45966 Gladbeck[Bearbeiten]

Am Morgen verlassen zwei Männer das Wohnhaus. Dabei tragen sie blaue Overalls. Einer der Männer hat eine Selbstladepistole Modell Colt Government und der andere einen Trommelrevolver Typ Highway Patrolman, Kaliber .357 Magnum, dabei. Zudem führen sie eine graue Plastiktasche mit, in der sie 350 Schuß Munition transportieren.

Das kurze Stück zur Filiale der Deutschen Bank in der Schwechater Str. 38 legen sie mit einem Motorrad Honda 250 zurück, das sie zwei Tage zuvor gestohlen haben.

Deutsche Bank Gladbeck[Bearbeiten]

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Gladbeckergeiseldrama.jpg
Lage in Gladbeck
Breitengrad: 51.581061 Längengrad: 6.961706
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07:55 Uhr[Bearbeiten]

Am 16.08.1988 um 07:55 Uhr beginnt die Geiselnahme von Gladbeck in einer Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck-Rentfort (Schwechater Str. 38, 45966 Gladbeck).

Der damals 31jährige Hans-Jürgen Rösner und der 32jährige Dieter Degowski dringen in die Filiale der Deutschen Bank ein. Dabei nehmen sie einen Kassierer und eine Kundenberaterin als Geisel, nachdem sie beim Verlassen der Bank feststellen, daß die von einem Arzt, der seine Praxis im gleichen Komplex oberhalb der Bank hat, alarmierte Polizei ihren Streifenwagen unmittelbar vor dem Zugang zur Bank abgestellt hat. Daraufhin fordern sie einen Fluchtwagen und Lösegeld.

14.00 Uhr[Bearbeiten]

Die Geiselnehmer wiederholen ihre Geldforderung in einem Rundfunkinterview.

17.32 Uhr[Bearbeiten]

Das geforderte Geld wird durch einen nur mit einer roten Badehose bekleideten Polizeibeamten vor der Tür der Deutschen Bank abgelegt.

21.37 Uhr[Bearbeiten]

Die Täter verlassen die Bank und fahren mit ihrem Fluchtfahrzeug davon. Als erstes holen sie Marion Löblich, die Lebensgefährtin von Rösner aus deren Gladbecker Wohnung ab.

Fotogalerie[Bearbeiten]

Tankstelle in Gladbeck[Bearbeiten]

Lage in Gladbeck Bild
Breitengrad: 51.546847
Längengrad: 7.012822
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An einer Tankstelle in Gladbeck (Anschrift: Horster Str. 370, 45968 Gladbeck) raubt Rösner einem Polizeibeamten seine Dienstwaffe und dessen Funkgerät.

Raststätte Grönegau (03:30 Uhr)[Bearbeiten]

Lage in Melle
Breitengrad: 52.19612406137764 Längengrad: 8.384877618940413
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Um ca. 03:30 Uhr halten die Geiselnehmer an der Raststätte Grönegau-Süd an der A30, um dort eine längere Pause einzulegen.

Rösner sucht für alle einen Tisch im Gastraum aus, von dem aus er den Eingang und ihr Fluchtauto sehen kann. Die Waffen tragen sie versteckt. Nachdem sie Brötchen und Kaffee bestellt haben, wollen sie in der druckfrischen Ausgabe der Bild-Zeitung etwas über ihren vermeintlichen Coup lesen.

Direkt am Tisch neben an, nur durch eine kleine Trennwand voneinander abgeschirmt, sitzt derweil ein Pärchen. Dabei handelt es sich um Zivilbeamte der Polizei, die nach den Geiselnehmern und ihren Geiseln die Raststätte betreten haben.

Um 04:01 Uhr geht Rösner mit Marion Löblich auf die Toilette, doch die zivilen Polizisten überwältigen Degowski jetzt nicht, weil die weiteren Kräfte der Polizei ca. zwei Kilometer entfernt stehen und auf ihr Signal warten.

17.08.1988[Bearbeiten]

Frühstück in Hagen (08:05 Uhr)[Bearbeiten]

Lage in Hagen
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Im damaligen "Café Dickhut" (Anschrift: Elberfelder Str. 91, 58095 Hagen) frühstücken die Geiselnehmer mit ihren beiden Geiseln eine halbe Stunde vor Öffnungszeit. Die Angestellte im Café und dessen Besitzer wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben, da sie zwar von der Geiselnahme am Tag zuvor hörten, das aber zum einen nicht mit Hagen in Verbindung bringen und zum anderen keine Bilder der Geiselnehmer gesehen hatten.

Anschließend fahren die Täter weiter in Richtung Norden. Um 11.30 Uhr halten die Täter kurz an der Tankstelle der Raststätte Dammer Berge an der A1 (Lage).

Links[Bearbeiten]

Bus der Linie 53 (19:11 Uhr)[Bearbeiten]

Lage in Bremen Bild
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Die Täter kapern in Bremen-Huckelriede einen Linienbus mit 32 Fahrgästen.

Mehrere Mal schlägt in der Folge die Verbindungsaufnahme zur Bremer Polizei fehl, die wiederum den Tatort nicht komplett abgesperrt hat. Das ermöglicht zum einen einem Jungen mit Fahrrad bis an den Bus heranzufahren und sich umzuschauen, aber auch den Journalisten ungehinderten Zugang zur Szenerie.

Das führt dazu, daß einer der Journalisten als eine Art Vermittler zwischen den Geiselnehmern und der Polizei aufzutreten versucht und letzten Endes auch sein Autotelefon zur Verfügung stellt. Dazu fährt er sein Fahrzeug unmittelbar neben den Bus, aber die von der Polizei angegebene Nummer ist entweder nicht existent oder aber es nimmt dort niemand ab. Das veranlaßt die Geiselnehmer ihre Fahrt mit dem Bus zu starten.

Bereits vorher kommt es zu surrealen Szenen, als Rösner den Bus verläßt, zu den auf der anderen Straßenseite stehenden Journalisten geht und dort ungehindert Interviews gibt.

Raststätte Grundbergsee (23:07 Uhr)[Bearbeiten]

Lage in Sottrum Bild
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Längengrad: 9.177891
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Nachdem die Polizei Marion Löblich, die eine Toilette aufsucht, festnimmt, droht Rösner mit der Erschießung einer Geisel. Da die geforderte Freilassung von Löblich sich verzögert, schießt Degowski um ca. 23:05 Uhr - noch vor Ablauf des von ihm erteilten Ultimatums - im Bus dem 14jährigen Emanuele de Giorgi in den Kopf. Aufgrund eines nicht bereitstehenden Krankenwagens können spezielle lebensrettende Maßnahmen nicht sofort geleistet werden. Nach Einlieferung in ein Bremer Krankenhaus rund 1,5 Stunden später wird der Junge dort um 01:15 Uhr für tot erklärt.

Fotogalerie[Bearbeiten]

18.08.1988[Bearbeiten]

Niederlande[Bearbeiten]

02.28 Uhr[Bearbeiten]

In Bad Bentheim (vermutliche Koordinaten: 52.313691,7.043383 (muß noch verifiziert werden!!!) [3]) fahren die Täter mit dem gekaperten Bus über die Grenze zu den Niederlanden, weil Rösner der Meinung ist, die Polizei sei dort nicht ganz so streng. Zumindest hat er das im Gefängnis mal gehört.

06.32 Uhr[Bearbeiten]

Die Täter lassen in Oldenzaal bis auf zwei Geiseln, Silke Bischoff und Ines Voitle, alle weiteren Geiseln frei und fahren mit einem von der deutschen Polizei bereitgestellten BMW 735i, der niederländische Kennzeichen erhalten hat, wieder nach Deutschland zurück.

Beim Umladen der Gegenstände aus dem gekaperten Bus in den BMW löst sich aus Rösners Waffe versehentlich ein Schuß, der Marion Löblich in den Oberschenkel trifft und den Busfahrer am Handgelenk verletzt. Daraufhin schieß Degowski mehrfach in Richtung des Waldes, wo sich holländische Polizisten aufhalten. Es wird allerdings niemand getroffen. Rösner brüllt während dessen mehrfach, daß es sich bei seinem Schuß um ein Versehen handelte.

Wuppertal (09.04 Uhr)[Bearbeiten]

In Wuppertal halten die Täter an einer Apotheke und besorgen sich u. a. Aufputschmittel. Löblich will weiterhin kein Krankenhaus aufsuchen. Den Oberschenkel hat sie mit einem Gürtel abgebunden.

Breite Straße in Köln (10.53 Uhr)[Bearbeiten]

Lage in Köln Bild
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Auf der Breite Straße in Köln wird der BMW mit den Tätern von Schaulustigen und Pressevertretern umlagert. Die Täter geben ungeniert mehrere Interviews und auch die Geiseln werden von der Presse befragt.

Der damalige stellvertretende Chefredakteur der Kölner Lokalzeitung "Express" steigt in den Fluchtwagen und lotst die Täter, die sich in Köln nicht auskennen, zur Autobahn. An der Raststätte Siegburg wird er freigelassen.

Fotogalerie[Bearbeiten]

A3, Kilometer 37,5 bei Bad Honnef (13.40 Uhr)[Bearbeiten]

Lage in Bad Honnef Bild
Breitengrad: 50.668582
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Nach 54 Stunden beendet das Sondereinsatzkommando der nordrhein-westfälischen Polizei das Geiseldrama, indem es den bei Kilometer 37,5 vom Seitenstreifen anfahrenden BMW der Geiselnehmer rammt. Im folgenden Schußwechsel stirbt die Geisel Silke Bischoff. Ines Voitle kann sich aus dem stehenden BMW retten, indem sie in den Straßengraben springt, wird aber trotzdem verletzt.

Links[Bearbeiten]

Dreharbeiten[Bearbeiten]

Fotos von den Dreharbeiten wurden aufgrund des "sensiblen Themas", wie es von der Produktionsfirma hieß, nicht erlaubt.

Drehort Gladbeck[Bearbeiten]

Der Start der Dreharbeiten zum Gladbecker Geiseldrama war am Montag, 18.07.2016 am Originalschauplatz, der Schwechater Str. 38, 45966 Gladbeck. Dabei wurde der Originalschauplatz haarklein umdekoriert und an die Geschehnisse von 1988 angepaßt. Bereits ab Dienstag, 05.07.2016, liefen diese Vorbereitungen. Leerstehende Ladenlokale wurden dabei wieder hergerichtet und die Filiale der Deutschen Bank, die überfallen wurde, entstand ebenfalls für den Film wieder.

Für die Dreharbeiten wurde die Schwechater Straße am Montag, 18.07.2016, und Dienstag, 19.07.2016, jeweils in der Zeit von 09.00 Uhr bis 22.00 Uhr und am Samstag, 23.07.2016, von 22.00 Uhr bis 04.00 Uhr zwischen Fritz-Erler-Straße und Marcq-En-Baroeul-Straße komplett gesperrt.

Fotogalerie[Bearbeiten]

Drehort Duisburg[Bearbeiten]

Die Busszenen wurden auf einem Schulhof in Duisburg-Hochfeld gedreht.

Gedreht wurde u. a. auch in Duisburg an folgenden Orten:

  • Moerser Straße zwischen Kreuzstraße und Ottostraße (16.08.2016)
  • Kirchstraße im Kreuzungsbereich der Moerser Straße
  • Bürgermeister-Bongartz-Platz
  • Ottostraße im Bereich der Einmündung zur Moerser Straße (17.08.2016)
  • Neudorfer Straße zwischen Neudorfer Markt und Grabenstraße

Drehort Bremen[Bearbeiten]

Hier wurde u. a. an folgenden Örtlichkeiten gedreht:

  • Ostertorsteinweg
  • Mecklenburger Platz an der Berliner Straße und Mecklenburger Straße
  • Ulrichsplatz
  • Bernhardstraße vor dem Nachtclub "Lila Eule" (Anschrift: Bernhardstr. 10, 28203 Bremen)
  • Steffensweg (Verfolgungsfahrt mit Überholmanöver)

Drehort Delmenhorst[Bearbeiten]

In der Innenstadt von Delmenhorst wurde im alten Hertie-Parkhaus in der Bebelstraße gedreht (Koordinaten: 53.049372,8.631906). Die Straßenschilder wurden mit denen des Originalschauplatzes von 1988 (Vegesacker Rampe) ausgetauscht.

Das Parkhaus in Bremen-Vegesack ist mittlerweile nicht mehr existent, so daß das seit Jahren leerstehende Hertie-Parkhaus in Delmenhorst als Kulisse dienen mußte. Dazu wurde dessen Erdgeschoß grün gestrichen und die angrenzenden Zäune beige. An einer Straßenecke wurde eine gelbe Telefonzelle mit Münzfernsprecher aufgestellt.

Drehort Autobahn[Bearbeiten]

Die Autobahnszenen wurden in einem alten Bus der BSAG auf der A281 bei Bremen-Seehausen und auf dem ehemaligen Rasthof "Im Eichkamp" an der A555 in Bornheim gedreht.

Links[Bearbeiten]

Folgen[Bearbeiten]

Person Rolle Folge
Hans-Jürgen Rösner Täter Verurteilung zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung wegen gemeinschaftlichen Menschenraubes, Geiselnahme mit Todesfolge sowie versuchten Mordes, weil er in Bremen auf das Fenster eines Wohnhauses und auf ein Taxi schoß (diverse Gefängnisse im Ruhrgebiet, ab 2012 JVA Rheinbach, ab 2013 JVA Aachen). Die Kugel, die Silke Bischoff tötete, stammte aus seiner Waffe. Hier konnte ihm kein Vorsatz nachgewiesen werden.
Dieter Degowski Täter Verurteilung zu lebenslanger Haft (JVA Werl), am 15.02.2018 mit neuer Identität entlassen
Marion Löblich Täterin Verurteilung zu neun Jahren Haft (Entlassung nach sechs Jahren wegen guter Führung); anschließend vierte Heirat und neuer Lebensmittelpunkt zurückgezogen in Magdeburg
Ines Voitle Geisel litt zwei Jahrzehnte lang unter Panikattacken, wenn sie sich mit fremden Menschen auf engstem Raum befand oder tiefer saß als andere
Silke Bischoff Geisel durch eine Kugel aus der Pistole von Rösner erschossen
Tatiana Agrimi (geb. de Giorgi) 9jährige Geisel lebt in Apulien, ist verheiratet, hat vier Kinder, kann allerdings nachts ohne Medikamente nicht schlafen und war nie wieder in Deutschland oder hat ein deutsches Wort gesprochen
Bernd Meyer Bremer Innensenator übernahm die politische Verantwortung für die Geschehnisse und die Fehler der Polizeiführung in seinem Bundesland und trat zurück
Herbert Schnoor nordrhein-westfälischer Innenminister keine
Rainer Kesting Chef des SEK Dortmund quittierte nach dem Drama frustriert den Dienst und machte sich mit einer Gebäudereinigungsfirma selbstständig. Er starb Ende November 2012.[4]
Familie de Giorgi drei Monate nach der Ermordung ihres Sohnes Rückkehr nach Italien, weil die Mutter nicht mehr in Bremen leben konnte
Paul Mikolajczak Busfahrer starb 2013 kurz nach seinem 82. Geburtstag

Links[Bearbeiten]

siehe auch[Bearbeiten]

Videos[Bearbeiten]

Links[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.derwesten.de/staedte/gladbeck/schrottimmobilie-schwechater-38-soll-zwangsweise-fallen-id12314314.html
  2. http://www.derwesten.de/staedte/gladbeck/zeit-draengt-fuer-die-schwechater-38-id7223109.html
  3. fehlende Verifikation
  4. Traueranzeige